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Abschied...

Meine Güte... nun ist es soweit: viele Abschiede stehen hinter, aber auch noch vor mir - und ich kann euch sagen: kein einziger von ihnen fällt mir leicht. Ich schreibe mitten in der Nacht, zu später Stunde. Dies sind die Momente, in denen die melancholichsten, aber auch die schönsten und besten Werke entstehen. Ein langes Werk wird dieses wohl nicht, denn ich sollte mir nun eigentlich ein wenig Schlaf gönnen, aber ein paar Worte muss ich doch los werden. Richtig realisieren kann ich das Ganze immer noch nicht und gerade in Momenten des Abschieds fühlt man sich zwischen zwei Welten hin- und hergerissen. Auf der einen Seite ist da Deutschland, mit all meinen Freunden und meiner Familie. Etwas, das mir zurückzulassen sehr schwer fällt. Auf der anderen Seite wartet England mit seinen vielen neuen Erfahrungen. Gerade in dieser Zerissenheit erkennt man, wie wichtig stützende Punkte in unserem Leben sind - Halt, der uns zu aller erst von denen gegeben wird, die uns am meisten lieben; von unserer Familie und unseren Freunden. An dieser Stelle bedanke ich mich für all den Mut und all die Kraft, die ihr mir mitgebt. Durch eure Worte, eure Taten, euren Zuspruch. Die Gewissheit, dass ihr an mich glaubt und ihr hinter mir steht, wird mir auf jeden Fall helfen. Ich weiß im Moment gar nicht, wie ich euch an Wärme wiedergeben kann, was ihr mir gegeben habt. Es ist schön zu sehen, wie sehr man dem ein oder anderen ans Herz gewachsen ist. Und dies gilt nicht nur den Leuten, die heute Abend bei mir waren. Es gilt all denen, die an mich denken und denen ich im Herzen erhalten bleiben werde. Denen, deren Telefonate, Gespräche und Treffen mit mir, ich hoffentlich nicht zu viel missen werde. Ich werde euch vermissen, euch aber auch immer erhalten bleiben. Schreibt mir - keine Scheu. Wir kriegen das hin! Morgen um diese Zeit stehe ich kurz vor der Fahrt nach Hannover - irre ist das. Aber es wird schon - denn es wird immer irgendwie. Ich denk an euch!

In Vorfreude, Angst, Aufregung und Trauer,

~ Maren ~

8.9.07 03:24, kommentieren

Frankfurt Airport I

 

07.35Uhr – „Attention please, passengers...“ Frankfurt Airport. Geschafft, der „Tag davor“ ist endlich vorbei, die Abschiede liegen hinter mir und der erste Flug ist vorrüber. Sehr entspannt und schon zur Landung bereit gewesen, als man meinte, man wäre gerade erst ins Flugzeug eingestiegen. In gerade mal 35 Minuten nach Frankfurt; da hat ja die Fahrt nach Hannover länger gedauert. Ich saß mal wieder alleine. Alle Sorgen neben „dem“ dicken, schwitzenden, triefenden und stöhnenden bösen Mann, der wohl nur in meinen Alpträumen existiert, mal wieder umsonst. Der Flug hätte allerdings nicht ganz so allein vielleicht doch noch ein bisschen schöner und interessanter sein können... hätte der stylishe Typ mit den schicken Klamotten, der tatsächlich auf mich zuzusteuern schien, letztendlich wirklich neben mir gesessen. Nein – natürlich fand wenige Reihen vor mir seinen Platz. Mist. Naja, so konnte ich auf meinem Fensterplatz die wunderbare Aussicht auf die letzte aufgehende Sonne, die ich vorerst in Deutschland erleben würde, genießen. Langweilig war es aber doch ein wenig und ich geriet so natürlich ins unvermeidbare Nachdenken. Trotz allem erlebe ich mich gerade erstaunlich entspannt. Die einzigen Tränen, die beinahe geflossen wären, musste ich bei dem Abschied von meiner Familie „unterdrücken“ (weniger weil ich mich schämte, sondern mehr aus Angst vor Frust), als meine geliebte Mamsi zu weinen begann. Nun gut, gerade beim Schreiben ist das mit den unterdrückten Tränen auch nicht ganz so einfach. Aber ich hab es mir schlimmer vorgestellt. Gerade sitze ich inmitten von Fluggästen, die entweder auf einer Art Liege schlafen und dabei den Anschein erwecken, sie hätten hier schon Nächte verbracht oder einfach locker gechillt neben mir sitzen, Kaffee trinken und sich mit Mitreisenden unterhalten. Wie gerne hätte ich jetzt auch jemanden an meiner Seite, doch es ist ja schonmal schön die Möglichkeit zu haben euch zu schreiben und euch meine Gedanken so wenigstens im Nachhinein mitteilen zu können. Herausgefunden, ob und wie hier W-LAN funtikoniert habe ich noch nicht. Es reicht ja dies erstmal im Office abzutippen und dann später zu posten. Ich probier nachher nochmal online zu gehen, der Versuch vorhin blieb erfolglos. Stellt euch vor, ich wäre im Flugzeug beinahe das Risiko eingegangen Tomatensaft zu probieren, nachdem Rosy mir neulich in der Saftbar im City Point einen Vortrag darüber hielt, wie gut das beim Fliegen sein soll. Wir konnten uns trotzdem beide nicht vorstellen, wie man so gesundheitsbewusst sein kann, dass man sich freiwillig diesen Trunk runterkippt ohne ihn tatsächlich zu mögen. Ich hab mich dann für die weniger gefährliche Variante entschieden und ein Wasser mit Kohlensäure getrunken, was nun eigentlich auch nicht zu meinen Lieblingsgetränken gehört. Aber – wir wollen ja ein wenig darauf achten, was gut für uns ist. Nach Trinken war mich aufgrund drückender Blase nämlich eigentlich nicht zumute, aber ich dachte mir dann: mein Körper braucht Flüssigkeit. Hmm, muss ja unheimlich interessant sein, was ich hier schreibe, aber so viel, dass ich jetzt von spannenden Ereignissen berichten könnte, hab ich ja noch nicht erlebt. Ich hatte es also im Flieger gerade geschafft mein Wasser auszutrinken (für Getränke mit Kohlensäure brauche ich manchmal Stunden), da kam schon die Durchsage, die mich aufforderte mich zum Landen bereit zu machen. Also: Tisch hochgeklappt und ab dafür... meine Lehne und mein Gurt befanden sich noch im erwünschten Zustand. Es ging also durch die Wolken hindurch, weg von der durch den Sonnenaufgang noch immer orangenen Farbkulisse. Die Wolken erwiesen sich als sehr dicht und das Wetter in Frankfurt ist dementsprechend einzuordnen: kalt und grau. Wir werden sehen, ob London seinem Ruf gerecht wird oder ob es dieses Wetter hier doch toppen kann – was ja nicht schwer wäre. Wieder auf festen Boden, rollte das Flugzeug zu seinem Landeplatz und meine Befürchtung wurde war: wir hielten so weit vom Gate entfernt, dass die Gäste mit einem Bus zum Gebäude gebracht werden mussten. Allerdings genossen alle Gäste den Komfort eines Sitzplatzes, was wohl der kleinen Größe des Flugzeuges und der Größe des Busses zu verdanken war. Eben eine Durchsage über einen Flug nach London. Aber das kann eigentlich nicht sein: ich sollte erst gegen 12 Uhr boarden. Wahrscheinlich ein früherer Flug mit gleichem Ziel zu früherer Zeit, in dem zur Zeit meiner Buchung kein Platz mehr frei war. Hoffe ich zumindest. Aber ich werde der Sache trotzdem mal kurz auf den Grund gehen und die Flugnummern vergleichen – die kann ich nämlich selbstverändlich nicht auswendig. Also, I may be right back to you in a minute. Erstmal bis bald. Und ich denke und hoffe ihr freut euch über diese Nachricht, auch wenn sie mehr Geschwafel enthält als spannende Neuigkeiten. Hauptsache ihr hört erstmal so oft und viel wie möglich von mir. Wer weiß, wann ich wieder die Möglichkeit finde, euch in Ruhe zu schreiben. Wow – im Office bin ich jetzt schon auf der zweiten Seite, wie cool. Na gut, jetzt aber wirklich erstmal Schluss. Nicht das Papas Versuch einzeln zum Flug aufgerufen zu werden, nun in meinem Fall unfreiwillig wahr wird. Naja, ich wäre zumindest meinem Papi eine Erfahrung vorraus. Macht's erstnal gut ihr Lieben, bis bald und bye bye.

9.9.07 18:30, kommentieren

Frankfurt Airport II

 

Also, da bin ich wieder, nur wenige Minuten später. Länger als das Nummernvergleichen hat wohl das Herauf-und Herunterladen des Laptops gedauert. Auf der Departure-Tafel stand kein London-Flug mehr und auf meinem Ticket steht unter Boarding Time ausdrücklich 12.15 Uhr, weshalb ich jetzt mal davon ausgehe, dass meine Vermutung richtig ist und es sich einfach um einen anderen früheren Flug handelt. Wird schon so sein. Das war bloß eben ein kleiner Schock. Man weiß ja nie... Maren geht ja bekanntlich lieber auf Nummer Sicher. So konnte ich mir immerhin einen schönen Platz auf so einer Liege ergattern und kann jetzt meine Beine hochlegen. Hauptsache ich schlafe nicht ein. Aber dafür drückt meine Blase gerade schon wieder viel zu sehr. Ganz unnormal für mich. Das liegt bestimmt an dem bösen Mineralwasser. So etwas „Gesundes“ ist mein Körper einfach nicht gewohnt. Ehrlich gesagt, befand ich mich auch im höchsten Neidzustand, als ich den Apfelsaft im Becher eines Mannes, der ein paar Reihen vor mir saß, erblickte. Eben hat hier dieses Internetzeichen aufgeblinkt: ich kann sogar online gehen. Jetzt bin ich natürlich hin und hergerissen, wie so oft. Soll ich zu icq gehen oder nicht? Wird vielleicht ein wenig traurig und außerdem bin ich dann anderwertig weniger produktiv. Euch schreiben tu ich aber immer gern – ob nun hier oder bei icq. Allerdings hat man hier langerfristig etwas davon und es erreicht mehr von euch, als nur die, die gerade online sind. Es ist ja aber noch relativ früh; ihr schlaft bestimmt alle noch. Am besten nutze ich später mal die Gelegenheit und gucke, wer so da ist. Erstmal poste ich das hier. Ich habe ja immerhin noch gute 3,5 Stunden bis zur Boarding Time. Mein Akku ist auch gar nicht mehr so voll, obwohl ich den extra heute Nacht noch aufgeladen hatte. Also stelle ich den Laptop lieber gleich wieder aus, suche erstmal die Restrooms auf und schlendere ein wenig hier herum. Richtig Lust auf Shoppingtouren oder Spaziergänge im Flughafen habe ich jetzt aber nicht so wirklich, da mein Handgepäck nicht nur aus zwei Taschen besteht, sondern auch noch aus zwei Taschen mit viel zu hoher Kilogrammzahl – für meine kleinen, schwachen Schultern zumindest. Wo bleibt mein Taschenträger? Neeeein, Maren ist ja selbstständig, richtig? By the way, mein Koffer wog nun doch nahezu 26 kg, ging aber erstaunlicherweise trotzdem ohne Draufzahlen mit. Die einzige Sorge diesbezüglich habe ich jetzt noch, wenn ich an die U-Bahn-Fahrt später denke. Ich werde umsteigen müssen und wenn ich Pech habe an zu viele Treppen geraten. Wie ich das da alles hochkriegen soll, weiß ich nun wirklich nicht. Aber vielleicht hilft mit ja ein Engel, wenn ich charmant und hilfesuchend durch die Gegend schaue. Also, ich denke ganz viel an euch und bedank e mich an dieser Stelle noch für all die sms, die mir letzte Nacht und heute am frühen Morgen gesendet wurden. Echt super lieb von euch.


Fühlt euch gedrückt und lieb gehabt,


~ Maren ~


PS: Also, ich hab's jetzt ausprobiert: ich kann zwar ins Internet, werde aber nur auf einer Seite von T-Com weitergeleitet, auf der ich mich registrieren müsste oder eine bereits bestehende Nummer eingeben müsste. Könnte ich jetzt theoretisch Papa anrufen und ihn nach unserer Nummer fragen? Ich weiß es nicht. Aber mir ist es jetzt zu umständlich. Ich schicke das lieber später ab und stehe so nicht vor der Qual der Wahl bezüglich meines icq-Besuches. Dann schau ich mal, wie ich meine Zeit vertreiben kann. Wahrscheinlich: Toilette, Rumschlendern, sms beantworten, Lesen oder so. Hoffentlich bekomme ich nach dem Aufsuchen der Toilette wieder so einen schicken Liegeplatz. Andererseits habe ich so langsam das Gefühl, dass mir hier mein Hintern einschläft... das wäre natürlich nicht so toll. Gerade ein Aufruf für einen Flug nach Zürich, vorhin schon nach Genf – soll ich doch lieber in die Schweiz? Auf der Suche nach süßen, kleinen Mowglis...?

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In London

 

Hallo ihr Lieben!


Irgendwie funktioniert das Internet schon wieder doch nicht mehr. Aber dann schreibe ich das Ganze eben einfach nochmal in Office vor und sende es dann zum nächstmöglichen Zeitpunkt ab. Also, erstmal zu meiner Weiterreise nach London.


Nachdem ich euch ja mehr oder weniger glücklich davon berichtet hatte, dass ich auf dem Hannover-Frankfurt-Flug eine Sitzreihe für mich allein hatte und mein Alptraum vom bösen Mann als Sitznachbar wohl ewig ein Traum bleiben würde, bewies sich diese Annahme als unbestätigt im nächsten Flieger. Zunächst musste ich aber durch sämtliche Sicherheitskontrollen in Frankfurt. Die spinnen doch. Echt nervig. Aber okay, es ist ja zu unserer Sicherheit und demnach sollte ich es eigentlich wertschätzen. Als ich dann endlich an meinem Gate angekommen war, konnte ich schon feststellen, dass die nächste Maschine um einiges größer sein müsste als die erste: da saßen echr viele Leute. Und mal wieder mussten wir mit dem Bus zum Flugzeug fahren. Und ja, beim Aussteigen hab ich eine Heldentat begangen. Da saß nämlich ein Kind im Bus mit einem Spielzeugdinosaurier, welchen er beim Aussteigen vergessen hatte und ich bin dann zu seiner Mutter gegangen, um sie darauf aufmerksam zu machen – und das Ganze auch noch auf Englisch. Dies mag nun lächerlich klingen, aber für mich war das echt mutig. Im Flugzeug musste ich mich dann zu meinem Platz durchkämpfen und fand auf dem Platz neben mir einen Mann vor. Gut, er war nicht dick und er schwitze auch nicht, aber irgendwie erschien er mir komisch. So eine Art Herr Sachs oder Herr Fisser. Er schien unglaublich nervös, aber er war auf jeden Fall sehr freundlich. Als ich Platz genommen hatte, mussten wir erstmal eine Weile warten, weil ein Passagier nicht aufgetaucht war, der eigentlich eingecheckt hatte. Sein Gepäck galt es deshalb -mal wieder aus Sicherheitsgründen – aus dem Flugzeug zu entfernen. Aber gut, ist ja verständlich. Da hätte ja eine Bombe drin sein können oder so. Man weiß es nie. Während der Wartezeit vor dem Start wäre ich also fast eingeschlafen. Auch zu Beginn des Fluges war ich noch sehr müde, aber ich hatte mir für diesen Flug vorgenommen die Briefe von Annika und Kathrin „fürs Flugzeug“ zu lesen. Ein wenig Panik hatte ich davor ehrlich gesagt schon, denn ich ahnte, dass es mich beim Lesen überkommen würde. Einfach die Kombination aus „kurz vor London“ und „gefühlvollen Worten“ war wohl dafür verantwortlich. Und tatsächlich – beim Lesen kullerten das erste Mal seit dem Abflug in Hannover Tränen meine Wangen herunter. Nun war ich froh über meinen stillen Sitznachbar, der dafür bestimmt Verständnis hatte und sowieso zu schlafen schien. Ich habe mich aber sehr schnell wieder gefangen, denn genau im richtigen Moment kam dann der Snack und ein Getränk: diesmal sollte es dann doch Apfelsaft sein. Der Snack – ein Brötchen mit Putenbrust und ein Schokomüsliriegel – befindet sich immer noch unangerührt in meiner Tasche. Essen konnte ich in diesem Zustand nun wirklich nicht. Die Landung gestaltete sich bezüglich des Wetters bei diesem Flug als erfreulicher als in Frankfurt: ja, London hat es tatsächlich geschafft Deutschland zu toppen, kamen nach Durchfliegen der auch hier vorhandenen Wolken doch warme Sonnenstrahlen zum Vorschein. Erfreut war ich darüber aber zugegebenermaßen weniger, denn die Sonne blendete mich eher sehr stark, als dass sie mich wärmte. Ein weiterer Vorteil in London: kein Bus. Endlich durfte ich durch einen dieser schicken Röhrengänge den Flughafen betreten. Den Flughafen fand ich aber eher chaotisch als schick. Bei der Gepäckausgabe sich mussten die Passagiere unseres Fluges das Gepäckband zum Beispiel mit einem Flug aus Moskau und einem aus Lissabon teilen, was dann zu einem kleinen Durcheinander führte. Na gut, nach langer Wartezeit bekam ich dann aber doch meinen Koffer und hatte nun eine unerträgliche Last mit mir zu schleppen. Voll gepackt mit vielen Sachen („die das Leben schöner machen...&ldquo bin ich dann erstmal zur U-Bahn-Station gegangen. Dort waren überall lange Schlangen und in einem ersten Gespräch mit einer Engländerin, stellte ich dann fest, dass ich wohl doch lieber den Heathrow Express nehmen sollte, um zur Paddington Station zu gelangen. Die Frau war sehr freundlich und meinte, dass ich beim U-Bahn-Fahren wohl Probleme mit meinem Gepäck bekommen würde, was ich ja auch befürchtet hatte. Nur hatte ich gedacht, dass ich nach der Fahrt mit dem Express sowieso noch hätte U-Bahn fahren müssen. Dies stellte sich aber erfreulicherweise als Fehler heraus. Ich bin also dann zur Train Station gegangen und hab mir ein teures Ticket für den Express geholt. Wieder wartend, sprach ich die nächste Frau an, denn ich wusste nicht, ob ich mein Ticket vorher oder erst im Zug stempeln müsste. Es kam dann aber ein Schaffner im Zug vorbei, der das Ticket stempelte, wie mir die Frau auch freundlicherweise erklärt hatte. Der Express stellte sich als sehr komfortabel heraus, so verfügte er beispielsweise über einen Fernseher im Abteil.

1 Kommentar 9.9.07 23:28, kommentieren

Krankheit und Familie

 

Hallo ihr Lieben,


ich hab euch eben ne ewig lange Mail geschrieben, die nun aber unerfreulicherweise gelöscht wurde. Das Internet spinnt hier ein wenig, jedenfalls wird die Verbindung immer mal getrennt. Normalerweise kann ich dann aber trotzdem weiterschreiben, bis sich eben einfach das Fenster geschlossen hat. Hab dann nochmal bei web.de geguckt, ob die Mail vielleicht unter Entwürfe gespeichert wurde oder so, aber nein... und ich hatte noch überlegt lieber im Office vorzuschreiben, was ich jetzt auch tue.


Tut mir leid, dass ich jetzt erst schreibe, aber ich bin gerade eigentlich nicht in einem schreibfähigen Zustand (und genau da muss mir sowas passieren). Ich lag heute den ganzen Tag mit einer fiesen Grippe im Bett. Hatte ja Samstag schon das Gefühl mein Hals sei innerlich angeschwollen. Sonntag äußerte sich das Ganze dann eher in starken Kopfschmerzen und gestern ging dann gar nichts mehr. Ich kann kaum reden oder schlucken und bin in der Bewegung ein wenig beeinträchtigt. Heute kamen dann noch Ohrenschmerzen und Fieber, welches ich hoffentlich vorhin schon erfolgreich ausgeschwitzt habe, hinzu. Das Problem ist, dass ich nicht zum Arzt kann, weil ich mich erst bei einem Arzt im Wohngebiet der Familie einschreiben kann, wenn ich dort wohne. So lange ich krank bin, kann ich da aber eigentlich noch nicht einziehen, da es mir ziemlich unangenehm wäre, dort erstmal nur den ganzen Tag im Bett rumzuliegen und wenn ich auch noch ansteckend bin, würde sich das natürlich auch nicht so gut machen. Ich war dann vorhin wenigstens in einer Apotheke und hab mir Medikamente geben lassen und eben noch mit meiner Zimmernachbarin im Krankenhaus, weil die von der Agentur meinten, die würden da jeden behandeln. Dem war leider nicht so „We don't do flus here. You need to see your GP.“ Ja, super. Na gut, dann muss ich mich erstmal mit den Medikamenten zufrieden geben und sonst, wenn ich eingezogen bin, nochmal zum Arzt.


Nun aber die guten Neuigkeiten: ich habe eine Familie. Ein richtig, richtig nettes, junges Ehepaar mit einer dreieinhalbjährigen Tochter, Kitty. (Ich konnte mir ein „Hello Kitty“ zur Begrüßung nicht unterdrücken, aber es passte ja so oder so.) Die Familie erschien mir auf Anhieb total sympathisch, so wohl auf Papier, als auch persönlich. Der Haken: das Kind ist leicht autistisch. Ich wollte mir die Familie aber trotzdem unbedingt angucken, weil sie einfach so sympathisch wirkten und von den Interessen auch zu mir passten. Das mit der Krankheit find ich auch irgendwie interessant und ich wollte ihnen auf jeden Fall mal ne Chance geben, denn irgendwie taten sie mir auch leid. Die schienen nämlich wirklich total nett zu sein, aber in der Agentur schienen die diese Familie nicht oft vorzuschlagen. Hat sie bei mir auch erst gemacht, nachdem wir nichts anderes gefunden hatten. Die Mutter ist Französin und war selbst ein Jahr Au Pair in London, er ist Brite. Sie sind beide noch recht jung, hatten ähnliche Interessen wie ich (Freunde, shoppen, Park, Lesen...) und sahen auch sehr nett aus. Als die Beraterin in der Agentur dort angerufen hat, haben sie sich auch total gefreut, die Mutter hat gleich ihren Mann angerufen, der dann wegen des Kennenlerntermins auch früher von der Arbeit kam. Um 19 Uhr sollte ich also dort sein. Meine Zimmernachbarin war so nett und ist mit mir mitgekommen, weil sie selbst ihre Familie erst am nächsten Tag besuchen würde. Das war auch total gut so, denn auf der Fahrt hätte ich am liebsten das Handtuch geschmissen. Ich hatte das Gefühl mein Körper glich einem Luftballoon, dem langsam die Luft entzogen wurde, dachte, ich würde jeden Moment umkippen, leidete unter den Kopfschmerzen und den Hitze-Kälte-Anfällen. Aber das Schlimmste ist immer noch das Schlucken: es tut so weh, ihr könnt es euch nicht vorstellen. Ich habe vor jedem Schlucken Angst. Verziehe dabei mein Gesicht, kann nicht mal meinen Kopf gerade halten, sondern schaue immer nach unten oder zur Seite. Deshalb kann ich auch kaum Trinken oder Essen, was ja jetzt eigentlich sehr wichtig wäre. Nun ja, nach langer Fahrt und Sucherei haben wir das Haus aber gefunden und mit einem leicht mulmigen Gefühl, klingelte ich an der grünen Haustür. Das Haus: ein typisch englisches, viktorianisches, weißes Reihenhaus, sehr schön eingerichtet. Das mulmige Gefühl verging sofort, als mir der Vater die Tür öffnete: ein sehr sympathischer, freundlicher und zudem auch sehr gut aussehender junger Mann. Er hat sich vorgestellt (Barney – kennt ihr auch diesen lilanen Dino mit gleichen Namen?), mich nochmal nach meinem Namen gefragt und ist dann mit mir ins Wohnzimmer gegangen, wo er sich lässig auf den Boden setzte, Beine ausgestreckt, ans Sofa lehnend. Die Mutter kam auch gleich rein, schien auch sehr freundlich und holte kurz darauf Kitty zu uns. Das beste an dieser Familie war, dass ich mich auf Anhieb richtig wohl gefühlt habe. Ich hätte mich auch stundenlang mit denen unterhalten können, so nett waren sie. Erstmal haben sie mich ein wenig zu mir gefragt. Wann ich in London angekommen sie, ob ich ihr Haus gut gefunden hätte, was ich als letztes in Deutschland gemacht habe etc. Sie schienen so nett, dass ich immer gleich ausschweifend erzählen konnte, was für mich in solchen Situationen ja eher untypisch ist. Ich habe ihnen auch gleich meine lange Hinfahrt gestanden, weil ich zwischendurch in die falsche Richtung fuhr und hab halt so ein wenig erzählt. Über meine Familie und so weiter. Dann haben sie mir von sich erzählt und erstmal schwerpunktmäßig von der Krankheit ihrer Tochter. Ich meinte, dass ich vorher kurz im Internet darüber nachgelesen hätte und da meinte der Vater gleich, das klinge im Internet oft schlimmer als es ist. Kitty schien auch ganz normal auf mich. Sie ist halt ein wenig Entwicklungsverzögert; eher wie eine Zweijähre, und ist manchmal in ihrer eigenen Welt, wenn sie sich auf eine Sache vertieft. Aber he, sind wir das nicht alle mal? Jedenfalls war sie sehr süß und auch sehr zutraulich. Hat mir zum Abschied gleich einen Kuss auf die Wange gegeben und fälschlicherweise „Bye Bye Mama“ gesagt, wahrscheinlich kann sie sich einfach meinen Namen noch nicht merken. Ich habe den Eltern dann noch meine Bewerbungsunterlagen gezeigt und sie waren ganz begeistert von meinem Brief und meinem Englisch. Die Mutter fand auch ganz toll, dass ich Französisch spreche. Dann können wir mal französisch reden und ich verlerne es nicht, fänd ich auch voll gut. Darauf folgte dann die Haustour. Eine sehr schöne Küche mit Fernseher im Untergeschoss, ein kleiner Garten, in ersten Stockwerk Kittys Zimmer, das Elternschlafzimmer und zwei Badezimmer und im zweiten Stockwerk mein Zimmer und der Dressing Room der Mutter, bzw. das Arbeits- und Bügelzimmer. Mein Zimmer ist recht klein, aber sehr schön. Es gibt ein riesiges Bett und vorne eine Fensterfront, die auf einen Balkon führt, der auch mir gehört. Für die Klamotten eine Kommode. Und natürlich sehr wichtig: einen Fernseher gibt es auch. Die Badezimmer verfügen einmal über eine Dusche und einmal über eine Badewanne, wobei das mit Dusche quasi meins ist. Die Dusche benutzen die Eltern allerdings auch, aber ich darf dafür auch baden. Nur kann ich halt z.B. in meinem Bad meine ganzen Sachen lagern. Von der Arbeit her muss ich nicht viel machen: morgens um 7 Uhr aufstehen und Kitty fertig machen und mit ihr Frühstücken, sie dann zur Nursery bringen und um 15.30 Uhr wieder abholen. Zwischendurch hab ich frei und kann zur Sprachschule. Nach der Nursery etwas Kleines mit ihr Essen und mich dann mit ihr beschäftigen bis um 18.30 Uhr die Mutter wieder da ist. Und das Ganze nur von Montag bis Donnerstag, weil die Mutter freitags nicht arbeitet, am Wochenende hab ich auch frei. Ansonsten noch zwei Abende Babysitten, wenn die Eltern mal abends weggehen. Putzen oder so muss ich gar nicht, da sie eine Putzfrau haben, die auch bügelt (Gott sei Dank!). Ja, so viel erstmal zu der Familie. War mir erst noch unsicher wegen des Autismus, aber hab dann mit meiner Mutter telefoniert und die stand dem gegenüber total positiv und meinte, dass ich das sicher schaffe. Kitty spielt auch nicht so viel mit anderen Kindern, aber ich sei wohl laut Eltern „adult enough“ für sie und da denke ich, es tut ihr bestimmt auch gut, mal ne andere Bezugsperson als nur ihre Eltern zu haben. Ich weiß nicht, ich war mir zwar vor dem Besuch sehr unsicher, aber die waren sowas von nett und freundlich und sympathisch und ich hab mich da so sehr wohl gefühlt, dass ich da dann trotzdem unbedingt hinwollte. Und das spricht doch für sie und ist wohl auch das wichtigste. Direkt in der Nähe wohnen überings auch die zwei Au Pairs, mit denen ich Sonntagabend Sightseeing gemacht und die ich die ganze Zeit sehr nett fand. Mit denen kann ich dann bestimmt auch zur Sprachschule gehen. Und Kathrin (aus Braunschweig – meine Zimmernachbarin heißt auch so) wird hoffentlich auch eine Familie in der Nähe finden. Ich wohne im Norden in der Nähe von Angel.


Ich werd jetzt erstmal aufhören, denn es ist schon spät und ich brauche den Schlaf. Ich freu mich über Mails von euch und bin gespannt, wie es euch gibt und was es bei euch neues gibt. Eure Mails konnte ich allerdings noch nicht lesen, weil ich erst schreiben wollte, bevor das Internet wieder seine Geist aufgibt. Ich weiß noch nicht, ob ich dies per Mail oder im Blog senden werde. Ich glaube bei web.de kann ich das hier nicht einfügen. Dann geb ich euch aber per Mail Bescheid!


Also, ihr Lieben, macht's gut, schlaft schön und take care,


Eure Maren

1 Kommentar 12.9.07 01:03, kommentieren

Besser

Hallo ihr Lieben,

ich sitze hier heftig zitternd und Zähneklappern: mir ist gerad ganz plötzlich totaaaaaaaal kalt geworden. Aber: ich bin endlich nicht mehr im Hotel, sondern bei meiner Familie. Aber erstmal von Anfang...

Dienstagabend war ich ja erfolglos im Krankenhaus gewesen, aber nachdem ich die darauffolgende Nacht schlaflos verbracht habe und mir die in der Agentur gesagt haben, man müsse da hartnäckig bleiben, hab ich es Mittwoch auf einen zweiten Versuch angelegt. Diesmal hab ich also in einem kurzen Satz erklärt, warum ich nicht zu einem GT (Hausarzt) gehen kann und wurde dann auch ohne Probleme aufgenommen und zum Arzt weitergeschickt. Die Wartezeit war um einiges kürzer als erwartet und ziemlich schnell befand ich mich in Behandlung von einer echt netten jungen Ärztin: tja, Annika, wie Recht du doch hast: Mandelentzündung. Sowas hatte ich noch niiiie. Hab dann ein Antibiotikum verschrieben bekommen. Es hilft mittlerweile ein wenig. Anfangs war mir nach dem Einnehmen  noch einfach nur schlecht. Dabei stand da extra: auf leeren Magen nehmen. Dafür war ich doch perfekt. Naja, mittlerweile vertrag ich sie aber ganz gut.

Es kam dann außerdem gestern die erfreuliche Nachricht von der Familie, dass sie mich auch nehmen wollen und das mit der Krankheit kein Problem sei. Sie sind sowieso am Wochenende nihct da und so hab ich das Wochenende das Haus für mich und komplett meine Ruhe. Morgen kann ich auch ausschlafen und muss noch nichts machen. Nach dem Motto: "You start working on Monday." Perfect, isn't it? Jaaaahhaaaaaaaa.

Meine Zimmernachbarin wurde allerdings schon gestern abgeholt und so war ich eine Nacht und einen Tag alleine im Hotel. Sollte man ja schön finden können: bei mir war dem nicht so. Wieder schlecht geschlafen. In der Nacht von meinem in ihr Bett gewechselt, damit die Schlafsituation eine andere ist und ich nicht so sehr jemanden in "dem" Bett neben mir missen müsste. Hat sogar ein wenig geholfen. Dann heute Morgen erstmal wieder Schmerzen, Schmerzen, Schmerzen. Doch irgendwann raffte ich mich zum Duschen auf (Aufstehen fällt aufgrund der Kopfschmerzen wirklich wirklich schwer, außerdem hatte ich erstmal einen so "leeren" Tag vor mir). Aber nach der Dusche ging es dann wieder bergauf. Meine Sachen im Zimmer ausgebreitet, um den Vorteil der Situation (ja, es gibt immer beide Seiten) zu nutzen und mir das Packen zu erleichtert (konnte meine Sachen immerhin auf beiden Betten verteilen etc. und die Kopfschmerzen waren beim Packen nicht gaaanz so schlimm, weil ich mich nicht ganz so tief zu bücken brauchte).

Beim Packen passierte noch etwas trauriges. Ich habe einen Flugzeugbrief von meiner Schwester im Handgepäck entdeckt. Den hatte ich vorher gar nicht gesehen... jedenfalls fließen mir beim Lesen so richtig die Tränen, echt, danke Lisa. Hätte nicht gedacht, dass sie/du so an mir häng(s)t. Aber ich kann das zurückgeben: ich kann mir auch keine bessere Schwester vorstellen und werde die IKEA-Ausflüge - aber auch das Shoppen - mit dir und auch einfach dich persönlich sehr vermissen. Vielleicht kriegen wir das hin, dass du hier herkommst und ich dich zum Englischsprechen zwingen kann (Ich bin auch mit dir Autogefahren - und DAS will was heißen).

Irgendwann kam dann nachmittags eine sms von meiner "Gastmutter" Magalie, ob ich mit dem Taxi kommen könnte, sie würden zahlen. Als ich erfuhr, dass eine Fahrt von hier bis zum Hotel über eine Stunde aufgrund des Verkehrs dauern kann, hatte ich dafür auch vollstes Verständnis. Sie hatte nämlich auch noch gerade Besuch da. Da man das Taxi vom Hotelpersonal rufen lassen kann und ich meine Verschwiegenheit im Auto ja auf mein angeblich nicht vorhandenes Englisch schieben könnte, war das also kein Problem für mich (jap, ich gebs zu: normalerweise gehört die Gewohnheit nicht gerne Taxi zu fahren, zu einer von Marens ungewöhnlichen Eigenschaften).

Die Fahrt stellte sich dann auch als sehr angenehm heraus, denn ich konnte soooo viel von London sehen, fuhr in einem bequemen Mercedes mit Lederbänken (ich leg ja auf sowas "eigentlich" keinen Wert, aber die waren wirklich, wirklich bequem) und hatte einen netten Fahrer, der mir zwischendurch sogar zeigte "where he lived".

Hier angekommen wurde ich sehr freundlich und herzlich von Magalie und ihrer Freundin empfangen. Die Freundin war gerade am Kochen: so siehts also aus... Magalie ist dann nochmal mit mir hochgegangen und auf meinem Nachtisch stand ein kleines Willkommensgeschenk: Schokolade und Süßigkeiten (die ich erstaunlicherweise nicht mag... dieses Turkish zeug, was so ganz weich und eklig ist... naja, kann ich anderen Au Pairs schenken, Kathrin vielleicht?).

Dann bin ich runter gegangen, hab erstmal mit Kitty Fernsehen geguckt und dann mit den Eltern Fernsehen geguckt, mich mit denen unterhalten bzw. ihnen zugehört (manchmal hab ich aber auch mitgeredet) bis nach Stunden endlich das dinner fertig sein sollte. Ich wollte aber nicht mitessen, vor allem wegen der Schluckschmerzen, aber natürlich (wer weiß es nicht?) auch aus Angst, dass ich das Essen nicht mögen würde. Magalie wollte mir dann Zitrone und Whísky (ich glaub scherzhaft) gegen die Schmerzen geben und entschloss sich dann ihren Mann nochmal in den Shop zu schicken, damit er mir Eiscreme kauft, da das einzige sei, was man bei diesen Schmerzen essen kann (sie hatte das früher auch ganz oft, bis ihr die Mandeln entfernt wurden - also: sie muss es ja wissen). Hab dann so nen coolen Häagen-Daaz (schreibt man das so?) Becher für mich alleine, weil - auch mal wieder Magalie - der Meinung war, man muss das aus dem Becher ist, nicht aus ner Schüssel. Das gehört halt so. Okay, habe nicht mal einen Achtel geschafft (der Becher war echt groß, aber das hält sich ja... und Magalie meinte, sie hätte sich eher gewundert, wenn ich den Becher ganz aufgegessen hätte. Fazit: gut so.

Die Wein- und Biertrinkenden vier Freunde (der Partner von der Freundin kam dann auch noch vorbei) fingen mit der Zeit an echt interessante Diskussionen über Politik zu führen... und ihr wisst ja wie das bei Angetrunkenen so ist: man findet kein Ende. Ich musste soooo sehr an Maxi und dessen wechselnde Gesprächspartner denken... Aber, keine Sorge, nicht bös gemeint.

Eben sind die Freunde dann endlich gegangen und der Vater hat mir auf meinem Laptop noch das Internet freigeschaltet, aber ich werd jetzt auch mal ganz fix ins Bett gehen. Ich zitter nicht mehr, aber leide an Hitze-Kälte-Anfällen.

Die, die mir Mails geschrieben haben: vielen lieben Dank, hab mich sehr gefreut. Werd ja am Wochenende viel Zeit haben, um sie zu beantworten. Und die, die noch nicht geschrieben haben: ich versteh das, kein Ding, aber ihr dürft mir natürlich auch gerne schreiben. :P Lasst euch von langen Mails nicht abschrecken: ist ja klar, dass ich gerad mehr zu erzählen habe. Und falls ihr auf persönliche Mails wartet: auf Mails von euch antworte ich bei Zeit dann auch persönlich.

Also, nicht mehr so viele Sorgen, meine Krankheit wird mittlerweile immerhin besser, nicht schlecht... und by the way, hab ihr sooo ein riiiiiichtig bequemes Bett. Und im Nebenzimmer (mit Bett), darf ich "friends" haben. Weiß jetzt nicht ob auch über Nacht, also visitors from overseas, oder ob nur Au Pairs. Aber find ich noch aus.

Also, fühlt euch gedrückt, geknuddelt, umarmt und lieb gehabt (aber steckt euch dabei nicht an)!!

Denk an euch und vermisse euch wirklich sehr,

Eure Freundin / Schwester / Tochter / ... (?)

               Maren

PS: Ich höre hier die ganze Zeit Polizeisirenen... nicht dass ich mir morgen, wenn ich allein bin, Sorgen machen muss.

14.9.07 01:35, kommentieren

Endlich absendbar

Hallo ihr Lieben,

oh nein, ich hasse es. Ich bin so sauer auf diese scheiß Technik. Ich hab eben wieder ne massig lange E-Mail an euch geschrieben und mal wieder war sie mit einem Schlag durch eine falsche Taste komplett weg. Vor allem, es schließt sich keines der vielen Werbefenster, nein, nur das bescheuerte, in dem ich gerade meine E-Mail geschrieben habe. Ehrlich, ich hatte mich schon verabschiedet. Ich wollte nur noch meine Adresse hinten dran hängen. Aber wahrscheinlich sollte ich sowieso noch nichts ins Bett gehen, denn nirgendwo erlebe ich die Hölle so lebensnah wie dort.

Auf Rat meiner Eltern, habe ich es vorhin gewagt - ich habe mir einen Pfefferminztee gemacht, und das obwohl ich eigentlich nur roten mag. Überzeugt haben mich aber die Worte meiner Mutter, zum Honig, den ich dort reintun sollte. Dieser soll nämlich eine Art Film auf meiner Entzündung bilden und das hört sich doch ganz gut an. Was zu Essen habe ich mir auch geholt: Joghurt mit ein paar Rice Krispies drin, aber der geht leider gar nicht runter, echt nicht. Essen ist immer noch unerträglich. Schlucken im Allgemeinen ist immer noch der reinste Horror. Kopfschmerzen und Ohrenschmerzen sind auch noch da, aber tagsüber nicht mehr so extrem. Der Tee ist aber auf jeden Fall schonmal angenehmer zu trinken als Wasser oder Saft. Ich glaube mittlerweile nicht mehr daran, dass es sich bei meiner Krankheit um eine einfache Mandelentzündung hält. Es kam mir von Anfang an komisch vor, wegen der ganzen anderen Schmerzen und des Fiebers, aber ich dachte dann das könne in Kombination auftreten. Mittlerweile nehme ich das Antibiotika aber seit fünf Tagen und es hilft immer noch nicht wirklich. Der Schmerz wandert vielleicht ein bisschen, aber er ist immer konstant da. Schlucken tut immer weh. Und dass die Ohren- und Kopfschmerzen zwischenzeitlich besser sind, verdanke ich wohl eher dem Paracetamol als allem anderen. Da hab ich wirklich immer das Gefühl es hilft besser. Meine Eltern meinten nun es könnte Pfeiffersches Drüsenfieber sein, aber ich bin mir halt gar nicht sicher, ob ich die ganze Zeit Fieber habe. Tatsache ist bloß, dass ich schon zwei T-Shirts und einen Schlafanzug komplett nass durchgeschwitzt habe - und ich meine komplett nass. Sowas von eklig und sowas von kalt. Die Nächte sind echt sehr unangenehm. Wenn ich tagsüber denke, es ginge bergauf, habe ich abends das Gefühl, es sei so schlimm wie noch nie. Na gut, hin oder her, ich muss zu einem anderen Arzt. So kann es nicht weitergehen. Ich habe sau das schlechte Gewissen gegenüber der Gastfamilie, aber die Mutter sagt immer nur, ich täte ihr so leid und sie sei so sorry und die Hauptsache ist, dass ich erstmal gesund werde.

Ich muss mich überings in ein paar Dingen, die ich euch berichtet habe, berichtigen. Magalie war nicht in London als Au Pair, sondern in Wales, in Cardiff. Dort ist sie auch Freitagvormittag mit dem Auto hingefahren. Barney und Kitty folgten ihr dann heute mit dem Zug. Das Haus lässt auf einen ziemlich rasanten Abgang der beiden schließen. Da hat der gute, alte Daddy wohl verschlafen. Jedenfalls sind sein und Kittys Bett nicht gemacht, Kittys Zimmer nicht aufgeräumt, ihre Müslischale steht halbvoll (ohne Milch) auf ihrem kleinen Extratisch in der Küche und da liegt noch ein Löffel und steht eine Tasse, wahrscheinlich von Barney, der nur schnell einen Kaffee hatte. Hab schon überlegt das aufzuräumen, aber das mache ich dann glaube ich morgen. Heute war die Familie dann jedenfalls noch in Cardiff und morgen fahren sie nach Bath, wo Barney herkommt (wenn ich das richtig verstanden habe). Abends kehren sie dann hierher zurück.

Oh mein Gott, ich bin gerad ein bisschen aufgeregt. Ich habe mich ja mittlerweile daran gewöhnt, dass hier permanet Polizeisirenen zu hören sind. Aber was eben passierte, konnte ich dann nicht mehr einordnen: ganz viele Bombenartige Geräusche. Also, ich will es jetzt nicht übertreiben. Es klang halt wie extrem laute Silvesterknaller, bloß sehr sehr viele, in ziemlich regelmäßigen Abständen und halt viel lauter und mächtiger wirkend, von oben und immer näherkommender. Für einen Moment dachte ich wirklich ganz naiv die bomben jetzt ein Haus nach dem nächsten ab. Es hatte auch eben das Telefon geklingelt, was ich durch kaum vorhandene Stimme nicht beantwortet hab, und das hätte mich ja warnen wollen können. Na, aber jetzt ist vorbei.

Magalie und Barney haben sich demnach (s.o.) also nicht während ihrer Au Pair Zeit kennengelernt, sondern später in einem Wohnheim in England (ich weiß nicht, wo genau, kann also sogar London sein). Barney wollte dort studieren und Magalie kam gerade aus Indien. Eigentlich hatte sie noch vor nochmal nach Spanien zu gehen und vielleicht noch wo anders hin, aber dann hat sie sich verliebt und blieb hier. Zu mir meinte sie dann: "Where you fall in love, there youll stay. Fall in love in London!" Oh nein, Rosy, dein größter Alptraum. Aber das wird schon nicht passieren. Und nach der Theorie habe ich ja noch zwei Länder, in ihrem Fall war es ja auch erst das dritte Land. In letzter Zeit denke ich aber eh, ich will in Deutschland bleiben. Das Problem sind nur die Männer dort, ne, ihr Bösen? Nein, quatsch, sind ja nicht alle böse und vielleicht finde ich auch ich dort irgendwann den Richtigen. Oder ich finde Mowgli wieder und gehe in die Schweiz. Ist ja fast wie Deutschland, nur schöner (und teurer).

Vorhin ist es überings schon passiert -  es ist eh schon zu spät. Ich hab mir vorhin ein wunderschönes, warmes, entspannendes (jetzt hat sich schon wieder die Hälfte der Mail gelöscht, ich schreib nie wieder bei web.de) Bad gegönnt und da erblickte ich ihn: den jungen Mann von neben an, der mich spannender Weise durch sein Fenster beobachtete, aber er hatte diese unschuldigen, braunen Teddybäraugen und diesen süßen Hundeblick verknüpft mit dem allerschönsten Lächeln: man kann ihn nur lieben. Nein, dem war (zum Glück oder nicht?) nicht so. Ich habe mich in das Badezimmer verliebt. Es ist soooo schön, wirklich sowas von schön. Únd diese Badewanne, sowas von bequem. Dieses Wasser, so weich und umschmiegend. Und dann, die Entdeckung: eine Waage. Tadaaa, Maren hat eine Waage gefunden. Gut oder schlecht? Egal. Jedenfalls beschloss ich, sie einmal auszutesten. Da musste doch überprüft werden, ob die ganze Krankheit doch etwas gutes mit sich brachte? Ich musste einfach abgenommen haben. Also, voller Hoffnung die Waage zeige das Gewicht in kg aufgrund der französischen Herkunft der Mutter, machte ich den mutigen Schritt auf das Messgerät - und? Eine englische Anzeige. Damit kann Maren nichts anfangen. Und Umrechnungen wird sie ganz sicher nicht anstellen, scheiß Mathe. Ein Blick in den Spiegel genügt: der Bauch ist um einiges flacher. Außerdem: sämtliche Hosen passen mir nicht mehr, jammer, sieht total scheiße aus, ehrlich. Aber ok, erstmal wieder waschen und ansonsten werde ich im gesunden Zustand eh wieder zunehmen.

Zum einen habt ihr mir genügend Proviant mitgegeben, zum anderen kauft die Mutter ganz fürsorglich für mich ein. Und mit ihren Mitbringsel vom grocery shopping in Form von Süßigkeiten lag sie hundertprozentig richtig. Genau die Süßigkeiten, die es in Deutschland nicht gibt und ich im Irland immer am liebsten esse: so Pinguin Kekse und so Windelbeutelartige Teile, bloß mit Vanillecreme gefüllt und Schokolade überzogen und in länglicher Form. Sooo geil. Kalorienbomben, ich weiß, aber so was von lecker und ich muss ja zunehmen. Die lohnen sich wirklich. Ihr müsstet sie auch essen.

Gestern habe ich noch mein Zimmer eingeräumt. Eurer Löwe und der Teddy sitzen jetzt auf dem Fernseher. Ich habe hier überings voll die tolle Beleuchtung, vier verschiedene. Zwei kleine Scheinwerfer, oben in der Decke integriert, zwei kleine Scheinwerfer über dem Kopfteil meines Betts, eine Lichterkette, die aussieht wie eine Art Zweig und eine Stehlampe, aus der nur ein Bild herausleuchtet und die rot leuchtet. Find ich voll toll. Rot ist voll beruhigend. Aber mein Papa meinte vorhin gleich, das ziehe die falschen Männer an. Das hat er aber bei meinem Abiballkleid auch gesagt. Und sowas meint er ironisch. Und wenn schon - ich hab ja Maxis Geschenk, ne? Oder es wird doch noch was mit dem Verlieben....

Mit diesen Worten verlasse ich euch, aber gewiss nicht verliebt und deshalb für immer... ich freu mich schon wieder auf euch.

Ich hab euch sehr lieb, vermisse euch noch viel mehr - jeden einzelnen von euch auf seine Weise - und drücke euch dem Abschied ganz fest, mit einem Klopfer auf den Popo ;-) ,

Eure Maren

16.9.07 00:17, kommentieren